Vitamin-D-Mangel: 6 Folgen

Frau neigt den Kopf nach oben und lässt sich sonnen
Vitamin-D ist eigentlich ein Hormon, das der Körper bei Sonneneinstrahlung bilden kann.
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Vitamin D ist ein essenzieller Nährstoff, der eine zentrale Rolle bei der Erhaltung der Gesundheit spielt. Es wird überwiegend via Sonnenlicht über die Haut gebildet. Ein längerfristiger Vitamin-D-Mangel kann schwerwiegende Folgen haben und die Lebensqualität beeinträchtigen.

Medizinische Expertise

Dagmar Prinz

Dr. Dagmar Prinz

Ärztin für Allgemeinmedizin
Hohe Wandstraße 36/3, 2344 Maria Enzersdorf, Niederösterreich
www.prinz-med.at
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Als ein wichtiger Baustein des Körpers hilft Vitamin D, Mineralien wie Kalzium und Phosphat einzulagern und damit für feste und stabile Knochen zu sorgen. Auch auf die Funktion des Immunsystems hat das Vitamin Einfluss. Zudem ist es für viele andere Vorgänge des Stoffwechsels wichtig sowie für die Bildung von Eiweißen und die Steuerung von Genen. Während ein leichter Mangel häufig keinerlei Beschwerden verursacht, können bei einem zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel verschiedene Beeinträchtigungen wie Müdigkeit, aber auch schwere Erkrankungen auftreten. Welche Folgen ein vorübergehender oder chronischer Vitamin-D-Mangel haben kann, erfahren Sie hier.

Vitamin D wird vor allem durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Über die Ernährung werden nur etwa 10 - 20 % des Bedarfs gedeckt. In seltenen Fällen wird die körpereigene Vitamin-D-Produktion durch chronische Erkrankungen des Darms, der Nieren oder der Leber gestört.

Viele Menschen fragen sich, ob ihr Körper ausreichend mit Vitamin D versorgt wird. Ein gesunder Mensch, der sich regelmäßig im Freien aufhält, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Zwar ist die Sonnenbestrahlung in Österreich von Oktober bis März nicht stark genug, um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung zu gewährleisten, doch der Körper ist in der Lage dies zu kompensieren, indem er im Sommer größere Menge an Vitamin D für die sonnenarme Zeit speichert.

Ein echter Mangel liegt erst dann vor, wenn niedrige Blutwerte festgestellt werden und gleichzeitig Beschwerden wie Knochen-, Gelenks- oder Muskelschmerzen sowie Müdigkeit auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag für alle Altersgruppen ab dem ersten Lebensjahr.

Zu den Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel zählen:

  • Ältere Menschen: Die Fähigkeit, körpereigenes Vitamin D zu bilden, nimmt mit zunehmendem Alter ab.
  • Immunschwache Personen: Chronisch Kranke oder pflegebedürftige Menschen sind weniger mobil und verbringen weniger Zeit im Freien.
  • Babys und Kleinkinder werden in den ersten Lebensjahren meist vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, da ihr hauteigener Schutz vor den UV-Strahlen noch nicht ausreichend entwickelt ist. Zudem enthält Muttermilch nur geringe Mengen an Vitamin D.
  • Schwangere und Stillende: Der Vitamin-D-Bedarf ist erhöht, um das Knochenwachstum des Kindes zu fördern. 
  • Menschen mit dunkler Hautpigmentierung: Sie produzieren aufgrund des höheren Melaningehalts der Haut weniger Vitamin D aus Sonnenlicht.
  • Menschen, die sich aus kulturellen oder religiösen Gründen nur bedeckt im Freien aufhalten.
  • Übergewichtige Menschen: Da Vitamin D ein fettlösliches Vitamin ist, "versickert" relativ viel Vitamin D in den Fettdepots des Körpers, wodurch der Bedarf erhöht ist.

Ein Mangel an Vitamin D kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Der Marker 25-Hydroxyvitamin D, in Nanomol pro Liter (nmol/l) oder Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), gibt an, ob ein Mangel besteht: 

  • über 50 Nanomol pro Liter oder 20 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml = die Einheit einer Stoffmenge): ausreichende Versorgung, um die Knochengesundheit zu erhalten;
  • zwischen 50 bis 30 nmol/l oder  20 bis 12 ng/ml: eingeschränkte Versorgung mit möglichen Folgen für die Knochengesundheit;
  • unter 30 nmol/l oder 12 ng/ml: "schwerer" Vitamin-D-Mangel und erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie Osteoporose, Osteomalazie oder Rachitis.

Schnelltests zur Diagnosestellung
Um den Vitamin-D-Status zu bestimmen, werden mittlerweile auch Schnelltests für zuhause angeboten. Prinzipiell funktionieren diese nach den gleichen Verfahren wie die Bluttests bei der Ärzt:in. Sie weisen jedoch eine Messunsicherheit auf und sind nicht sehr zuverlässig, weshalb Expert:innen von ihrer Nutzung abraten.

Video: Vitamin D: Wie stärkt es Abwehrkräfte und Knochen? Was kann es noch?

Vitamin D kann über die Nahrung aufgenommen oder vom Menschen selbst produziert werden. Wer besonders viel Bedarf an Vitamin D hat und wie es sich auf unsere Knochen und unser Immunsystem auswirkt, darüber informiert Ernährungswissenschafterin Mag. Sabine Bisovsky. (Webinar, 01.03.2023)

Permanent müde und erschöpft? Führen Sie das auf Stress in der Arbeit zurück? Das muss nicht sein: dahinter kann Vitamin-D-Mangel stecken. Wird der Mangel behoben, verschwinden diese Probleme wie von selbst.

Gerade, wenn Erschöpfungssymptome nur im Winter auftreten, ist ein Mangel als Auslöser wahrscheinlich. Die Ursache sollte jedoch auf jeden Fall medizinisch abgeklärt werden.

Ein Vitamin-D-Mangel kann Kochen- und Gelenksschmerzen verursachen. Der Körper benötigt Vitamin-D, um Kalzium in die Knochen einzulagern. Selbst wenn man genug Kalzium mit der Nahrung aufnimmt, ist dieses also nicht vollständig für den Körper verwertbar, wenn Vitamin-D fehlt. So kann die Knochendichte abnehmen und es entstehen Erkrankungen wie: 

  • Osteoporose: Ein Mangel an Vitamin-D begünstigt die Entstehung von Osteoporose (Knochenschwund). Die Knochenmasse vermindert sich.
  • Osteomalazie: Bei Erwachsenen kann ein Mangel zu Osteomalazie (Knochenerweichung) führen. 

Ein spätes Anzeichen für beide Erkrankungen ist eine Neigung zu Brüchen.

Muskelschwäche, Muskelzuckungen sowie häufige Muskelschmerzen, vor allem im Bereich der Oberschenkelstrecker und im Schultergürtel, können ebenfalls auf einen Vitamin-D-Mangel hindeuten. Die Schmerzen lassen nach, wenn der Mangel behoben ist.

Probleme mit Muskeln und Knochen, die durch einen Vitamin-D-Mangel entstehen, können zu verminderter Geschicklichkeit führen. Vor allem ältere Menschen haben ein erhöhtes Sturzrisiko, wenn der Stützapparat nicht optimal funktioniert. So kann es zu teils schweren Stürzen und Knochenbrüchen kommen. Im Alter benötigen diese oft sehr lange, um zu heilen – besonders wenn die Knochenstruktur durch Osteoporose oder Osteomalazie bereits angegriffen ist.

Ein Mangel an Vitamin-D wird auch in Verbindung mit Krebs gebracht. So kommt ein Vitamin-D-Mangel laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum besonders häufig bei Krebspatient:innen vor. Fehlt Vitamin-D, fällt es dem Körper schwerer, bösartige Zellen zu erkennen und zu beseitigen. 

Seitens der Wissenschaft wird daher bezüglich Prävention und Behandlung von Krebserkrankungen viel Potential in der Behebung eines Vitamin-D-Mangels gesehen. Eine vom Deutschen Krebsforschungszentrum durchgeführte Auswertung mehrerer Studien ergab, dass eine Vitamin-D-Supplementierung zwar nicht davor schützt, an Krebs zu erkranken, jedoch die Wahrscheinlichkeit senken könnte, an einer Krebserkrankung zu sterben – vorausgesetzt die Einnahme erfolgt regelmäßig (täglich).

In den vergangenen Jahren wurde in vielen Studien Zusammenhänge zwischen der Vitamin-D-Versorgung und chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Kardiovaskulären Krankheiten gefunden. Beweise für kausale Beziehungen gibt es bisher jedoch nicht. Bluthochdruck (Hypertonie) gilt als eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Säuglinge und Kleinkinder gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen für einen Vitamin-D-Mangel.

Folgende Symptome können bei Kindern auftreten:

  • Verformung der Knochen, insbesondere der Wirbelsäule, Rippen und Beine
  • Schwellungen, vor allem an den Übergängen von Knorpel zu Knochen
  • Erweichung des Hinterkopfs bei Kleinkindern
  • Muskelschwäche, die zu Problemen beim Stehen und Gehen führen kann
  • Krampfanfälle
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Die Bewegungsentwicklung ist verzögert.
  • Beeinträchtigte Knochenentwicklung: Säuglinge und Kleinkinder können aufgrund einer unzureichenden Mineralisierung eine Skelettdeformation (Rachitis) entwickeln. In Europa ist diese Erkrankung dank der prophylaktischen Vitamin-D-Gabe nahezu ausgestorben. Im 19. Jahrhundert stellte Rachitis jedoch eine erhebliche Bedrohung für Kinder dar und wurde im Zeitalter der industriellen Revolution als "Englische Krankheit" bezeichnet. Der Grund dafür war die starke Luftverschmutzung durch Maschinenabgase und Rußpartikel, die eine verringerte Sonneneinstrahlung zur Folge hatte. Dadurch war die körpereigene Vitamin-D-Bildung stark eingeschränkt. Heute ist Rachitis dank präventiver Maßnahmen kaum noch ein Problem. Dennoch sollte gerade im Kindesalter auf eine gesunde Knochenentwicklung, für die Vitamin D unerlässlich ist, geachtet werden.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

12. Februar 2025

Erstellt am:

24. Juni 2015

Stand der medizinischen Information:

12. Februar 2025

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